Als Faustformel reicht eine Speicherkapazität von etwa 1 kWh pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch. Ein Haushalt mit 4.000 kWh Verbrauch ist also mit rund 4 bis 5 kWh nutzbarer Kapazität gut versorgt. Eine zweite Faustformel orientiert sich an der PV-Leistung: rund 1 kWh Speicher je 1 kWp Anlagenleistung. Wichtiger als ein möglichst grosser Speicher ist, dass die Kapazität zu Verbrauch und Erzeugung passt - überdimensionierte Speicher lohnen sich selten.
Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch Ihrer Photovoltaik-Anlage deutlich, doch nur die richtige Grösse bringt den besten Ertrag fürs Geld. Zu klein, und Sie verschenken Überschuss ans Netz. Zu gross, und der Speicher steht im Winter halbleer und zahlt sich nie ab. In diesem Ratgeber zeigen wir zwei einfache Faustformeln und rechnen sie an konkreten Beispielen durch.
Wie berechne ich die Speichergrösse nach meinem Verbrauch?
Der wichtigste Bezugswert ist Ihr Jahresstromverbrauch in Kilowattstunden. Sie finden ihn auf Ihrer letzten Stromrechnung. Die gängige Faustformel lautet:
Pro 1.000 kWh Jahresverbrauch etwa 1 kWh nutzbare Speicherkapazität.
Ein paar typische Beispiele:
- 2.500 kWh (Zwei-Personen-Haushalt): rund 2,5 bis 3 kWh Speicher
- 4.000 kWh (Vier-Personen-Haushalt): rund 4 bis 5 kWh Speicher
- 5.500 kWh (grosser Haushalt): rund 5 bis 7 kWh Speicher
Der Hintergrund: Ein Heimspeicher soll vor allem den am Tag erzeugten Solarstrom in die Abend- und Nachtstunden verschieben. Diese tägliche Brücke umfasst meist nur einen Teil des Verbrauchs, weil ein Grossteil tagsüber direkt genutzt wird. Eine Kapazität, die ungefähr dem Bedarf einer Nacht entspricht, deckt diesen Anwendungsfall gut ab.
Wie hängt die Speichergrösse mit der PV-Leistung zusammen?
Die zweite Faustformel bezieht sich auf die Leistung Ihrer Solaranlage in Kilowatt-Peak (kWp):
Etwa 1 kWh Speicher je 1 kWp installierter PV-Leistung.
Für eine durchschnittliche Anlage auf einem Einfamilienhaus mit 8 kWp ergeben sich also rund 8 kWh Speicher. Diese Regel verhindert, dass der Speicher grösser ist, als die Anlage ihn an einem normalen Tag überhaupt füllen kann. Eine 5-kWp-Anlage erzeugt an einem guten Sommertag vielleicht 25 bis 30 kWh, an einem trüben Wintertag aber nur 2 bis 4 kWh - ein 10-kWh-Speicher bliebe dann fast immer leer.
In der Praxis sollten Sie beide Faustformeln nebeneinanderlegen. Liegen die Ergebnisse weit auseinander, etwa weil Ihre Anlage gross, der Verbrauch aber niedrig ist, orientieren Sie sich am Verbrauch. Der Speicher kann nur so viel Nutzen stiften, wie auch tatsächlich verbraucht wird.
Wann lohnt sich ein grösserer Speicher?
Mehr Kapazität ist sinnvoll, wenn neue Grossverbraucher hinzukommen, die einen Teil des gespeicherten Stroms abnehmen:
- Wärmepumpe: erhöht den Jahresverbrauch je nach Gebäude um mehrere tausend kWh, vor allem im Winter, wenn der Speicher kaum geladen wird. Der Nutzen ist begrenzt, ein moderates Plus aber vertretbar.
- E-Auto: kann nachts oder am Wochenende grössere Mengen gespeicherten Solarstroms aufnehmen und rechtfertigt eher einen Aufschlag.
- Geplante Erweiterungen: Wenn Wärmepumpe oder Wallbox in den nächsten Jahren kommen, kann ein modular erweiterbarer Speicher die bessere Wahl sein als ein von Anfang an überdimensioniertes Gerät.
Wichtig zur Einordnung: Die ersten Kilowattstunden eines Speichers werden fast täglich genutzt und sind am wirtschaftlichsten. Jede weitere kWh wird seltener voll ausgenutzt und bringt einen geringeren Beitrag zur Ersparnis. Deshalb ist ein deutlich überdimensionierter Speicher in den meisten Haushalten nicht wirtschaftlich - das gesparte Geld ist oft besser in mehr PV-Module investiert.
Fazit
Für die Dimensionierung Ihres Stromspeichers genügen zwei Faustformeln: rund 1 kWh je 1.000 kWh Jahresverbrauch und rund 1 kWh je 1 kWp PV-Leistung. Liegen die Werte auseinander, gibt der Verbrauch den Ausschlag. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt fährt mit 5 bis 8 kWh nutzbarer Kapazität gut, grössere Speicher lohnen sich erst mit Wärmepumpe oder E-Auto. Achten Sie bei der Auswahl immer auf die nutzbare statt die Brutto-Kapazität - welche Speicher in welcher Grösse überzeugen, zeigt unser Stromspeicher-Vergleich.
Häufige Fragen
Welche Speichergrösse passt zu einem Einfamilienhaus?+
Für einen typischen Haushalt mit 4.000 bis 5.000 kWh Jahresverbrauch sind 5 bis 8 kWh nutzbare Kapazität in der Regel ausreichend. Erst mit Wärmepumpe oder E-Auto wird ein grösserer Speicher von 8 bis 12 kWh sinnvoll.
Kann ein Stromspeicher zu gross sein?+
Ja. Ein zu grosser Speicher wird im Winter und an bewölkten Tagen nie voll, kostet aber trotzdem Geld. Die unteren Kilowattstunden eines Speichers werden am häufigsten genutzt und sind am wirtschaftlichsten - jede zusätzliche kWh bringt weniger Ersparnis.
Was bedeutet nutzbare Kapazität?+
Die nutzbare Kapazität ist der tatsächlich verfügbare Anteil der Bruttokapazität. Hersteller geben oft beide Werte an. Bei Lithium-Eisenphosphat-Speichern (LFP) liegt die nutzbare Kapazität meist bei 90 bis 95 % der Bruttokapazität. Für die Dimensionierung zählt immer der nutzbare Wert.